Pars pro toto
Juli 21, 2008
… ist Latein und bedeutet soviel, wie: “Ein Teil steht für das Ganze”. Da muss ich wohl mal in Lateinunterricht aufgepasst haben, denn vor Kurzem ist es mir beim Lesen eines Artikels spontan eingefallen. In dem Artikel ging es um einen neuen Trend in der NBA. Es wird immer populärer, dass manche Spieler für ein paar Jahre nach Europa gehen. Vor allem weil sie dort teilweise mehr Geld bekommen (und dazu noch in harten Euros ausbezahlt werden) ist es lukrativ für sie. Hinzu kommen weniger Saisonspielen und damit eine Schonung des Körpers. Nun hat ein High School Absolvent sich zum ersten Mal, seit Einführung der neuen Altersgrenze für die NBA, für Europa anstelle eines US-College entschieden. Brandon Jennings wird sich in Italien für die NBA warmspielen und dazu noch eine Menge Geld machen, anstelle die Schulbank drücken zu müssen. Heute wurde auch bekannt, dass sich eventuell Josh Childress für Olympiakos entscheiden und somit der NBA für drei Jahre den Rücken kehren wird.
Beim Pokern ist es ähnlich. Spielen alle am Tisch tight, sollte man loslegen und die Pötte kampflos abgraben. Sitzen am Tisch sehr loose Spieler, so muss man ein paar Gänge zurückschalten. Also immer entgegen der Masse. Aber das gilt nicht nur für den Tisch im Einzelnen! Vielmehr muss man sich immer einen Schritt vor dem Hauptfeld der Spieler bewegen. Fast jeder kennt inzwischen die Standardwerke, so das die dort beschriebenen Grundsätze teilweise nicht mehr stimmen können. Die besten Spieler - egal ob Turnier oder Cashgame - sind ihrer Zeit voraus und setzten Maßstäbe.
Ein gutes Beispiel hierfür ist: “The CO is the new Button”. Auch diese Aussage ist zwar schon wieder veraltet, zeigt aber Perfekt wie schön dynamisch Pokern ist. Und zwar sowohl am Tisch und während des Spiels, als auch global. An (NL) Hold`em haben sich schon viele sattgespielt und das totgeglaubte Stud wird immer populärerer. Auch die Mixed-Games steigen in der Beliebthaitsskala und auch hier kann man schon einen Trend erkennen.
Nicht exakt das Gleiche, aber zumindest recht ähnlich ist die Pareto-Verteilung. Hierbei geht es - grob gesagt - darum, dass sich in vielen Prozessen die 80-20-Verteilung findet. So besitzen beispielsweise 20% der Bevölkerung, 80% des Vermögens. Auf Poker bezogen, könnte man Vergleiche zu den Handranges ziehen. Natürlich sind die Werte nicht exakt, aber die 80-20 Verteilung ist ein guter Ansatz. Für MTTs beispielsweise sind 20% ITM recht ordentlich und wenn man aber nun die ITM-Platzierungen auswertet, dann sind sicherlich davon die besten 20% für 80% des Gewinns ausschlaggebend. Also sollte man sich generell darauf konzentrieren in genau diesen 20% das Maximum zu geben. Völlig unbewusst habe ich das gestern gemacht. Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich für den Turbo Takedown (nächsten Sonntag) qualifiziert. Da ich nur äußerst selten und dann auch nur zum “Spaß” MTTs zocke, dachte ich ein wenig Auffrischung würde mir gut tun.
Dafür eignen sich meiner Meinung die $4-180er SnG´s ganz gut, wenn man etwas mit der Bankroll haus wirtschaften muss. Also mal fünf der Dinger angeworfen und am Ende war ich bei zwei Stück auf gutem Kurs. Leider war bei dem einen dann an der Bubble ein Colddeck angesagt und wie üblich bei solchen Donkwettbewerben, wurden die meisten (80% ?) Spieler viel zu tight und foldeten reihum. Leider habe ich nicht mal eine marginale Hand zum stealen bekommen und musste verbittert zusehen. Ausgeschiedene bin ich dann kurz nach der Bubble, was eh nichts einbringt. Beim Anderen bin ich dann kurz vor der Bubble, auf Platz 20 raus.
Hätte ich die Hand (das Bild kann man anklicken, um sich das “Video” anzuguggen) gewonnen, wäre ich Chipleader gewesen und hätte mit knapp über 90 Big Blinds gut aufspielen können. Ironischer weise habe ich sobald ich die Aces gedealt bekommen hatte, sofort an das Buch “Die fünf Ringe” von Miyamoto Musashi denken müssen. Irgendwann beschreibt er - leider finde ich die Stelle augenblicklich nicht, deshalb eine Zusammenfassung und kein Zitat - , dass man sich vor einem Kampf im klaren sei muss, dass man jederzeit sterben kann. Als ich das Buch gelesen haben, halfen mir viele Stellen wirklich weiter, diese aber wohl am meisten.
Was mich nun vielmehr interessiert, ist die Hand aus der Sicht des Villian:
Die Blinds liegen bei 150/300 und einer Ante von 25, der Stack des “Hero” beträgt 20.704 oder 69 Big Blinds (oder rund 33 M). Viele am Tisch (sieben Spieler) sind verhältnismäßig Deep und über Average. Noch 20 Spieler sind im Turnier und die Top 18 landen im Geld.
Hero bekommt in mittlerer Position (UTG+2) 4d 4s
UTG folds
UTG+1 folds
Hero raises to 669
CO folds
Button folds
SB raises to 3.000
BB folds
Hero calls
Flop: Ks 3h Kh (Pot 6.475)
SB checks
Hero raises to 8.400
SB raises All-in 10480
Hero calls 2.080
Aus meiner Sicht war die Sache recht eindeutig. Ich habe den Raise (Preflop) leicht höher angesetzt um dem Gegner das Gefühl zu geben, ich sei auf einen Steal aus. Der Flop war nicht gerade prächtig, aber Angst vor dem dritten König hatte ich nicht. Bei einem Contibet meinerseits hätte ich einen Push von ihm callen müssen und deshalb wollte ich sehen was der “Hero” macht. Sein massiver Bet zeigte mir, dass ich vorne liege und der Push war “insta”.
Aus seiner Sicht: Keine Ahnung ob oder was er sich beim Flop-Bet gedacht hat. discuss!
Wenig diskussionswürdig hat sich dafür mein Abschneiden beim $10k-Garanteed ($55 Buy-in) auf Poker4Ever zugetragen. Die Qualität des Turnieres war besser als sie frühers der Fall waren. Man startete mit 5.000 in chips bei Blinds von 10/20. Die Blindlevel waren auf 12 Minuten gesetzt, aber leider ist die Software ziemliche lahm, so das man die Werte auch etwas relativieren muss. Ich bekam in der Frühen Phase genau zwei spielbare Hände. Einmal J9s und einmal die Shcneemänner (88). Beide Pots konnte ich gewinnen, doch bei der J9-Hand hab ich für meinem geflopptes Two Pair nur wenig bekommen.
Ein wirklich eiskaltes Deck hat meinen Stack schrumpfen lassen und im Push-or-Fold-Modus habe ich Pocketjacks in LP bekommen. Ein EP raist zu meiner Freund und ich pushe mit einer Hand voll Blinds. Er callt mit KQs und trifft gleich die Dame auf dem Flop. Stunden später hab ich auf die Sonntagsturniere auf PokerStars gewartet. Ich hab dann noch mitten in der Nacht und völlig übermüdet aus Langeweile vier Tables (NL10, NL20 und NL100) aufgemacht und etwas gedaddelt. Heute morgen ist mir erst aufgefallen, dass ich $20 mehr hatte, wie vor dem Turnier-Einkauf. Also knappe $75 plus ohne es zu merken … $1.000 ich komme
Juli 22, 2008 um 6:57 Uhr vormittags
> Was mich nun vielmehr interessiert, ist die Hand aus der Sicht des Villian …
LOL, der macht halt seinen Open Raise und bezahlt fehlerhafterweise den Re-Steal. Ist der Tisch tight, und Du gibst dementsprechende Hinweise, dann ists noch übler.
Am Flop hast Du dann Deinen Range (incl. AK) bedient, musst also aus Sicht des Villain (des 44-Manns) vorne sein. Eventuell kannst Du noch AQ oder KQs halten, aber KQ trifft ja und auf AQ (16 Kombinationen) hoffen?!
Ein kleines Paar (22,33) wäre preflop eine Foldkarte gewesen für Dich, da “nicht deep genug”.
PS: Eventuell mal den Handplayer auf Chips (statt BBs) umstellen.
Juli 22, 2008 um 6:58 Uhr vormittags
Nachtrag: Aus Deiner Sicht natürlich “check flop”.
Juli 22, 2008 um 7:04 Uhr vormittags
Nach-Nachtrag:
Hast Du auch gemacht, LOL. Dieses “aus Sicht des Villains” hat mich irritiert.
Juli 22, 2008 um 10:46 Uhr vormittags
danke für das feedback!
War auch verwirrt, dass er da so ´ne line gespielt hat … na ja, micros halt - der hatte jedoch zuvor recht ordentlich gespielt …
K.a. auf welche hand der mich gesetzt hat, aber viel spielraum war für meinen push ja eh nicht … am anfang dachte ich halt echt, er würde mich auf jedenfall auf einen steal setzten, wobei der preflop raise nicht sonderlich höher war, als gewöhnlich (etwas über potsize) … sein bet dagegen war enorm überspielt …
das mit den bb lass ich in zukunft … hab´s mal getestet
Juli 22, 2008 um 11:43 Uhr vormittags
Zwei ganz üble Fehler des Villians:
- die hohe 3bet preflop zu bezahlen, wobei die Höhe natürlich fast irrelevant ist
- die Karte nicht im C/F-Modus “wegzudonken”
Vielleicht war der sauer auf Dich, hast Du dem nen Pot abgenommen oder warst Du hyperaktiv ne zeitlang? Ist aber auch egal, sowas sehe ich immer wieder. Es gibt auch bei den Highrollern bei FT Hände da wirst Du grau im Gesicht.